Redebeitrag fuer den 10.10.26
„Housten, wir haben ein Problem.“
Es gibt in Potsdam kaum Wohnungen auf dem Markt zu mieten. Die Leerstandsquote beträgt 0,2 % und verringert sich sogar noch weiter. Zum Vergleich: In ganz Brandenburg beträgt die Leerstandsquote 6,9 %.
Eine Wohnung kaufen geht hingegen. Auf den Immobilienbörsen im Internet findet man hunderte Angebote, von ganz kleiner Wohnung bis sehr große Wohnung.
Die Angebote fangen bei 99.000 € an. Wer also das nötige Kleingeld hat, dürfte auch in Potsdam kein Wohnungsproblem haben. Wohnung kaufen, Mieter kündigen, und nach drei, spätestens neun Monaten, haben sie eine Wohnung.
Nun dürften wir alle, die wir hier versammelt sind, eben nicht das Geld für eine Eigentumswohnung haben. Und wenn doch hätten wir wohl Gewissensbisse dabei, einen Mieter aus seiner Wohnung zu werfen.
Kleiner Exkurs: Eigentumswohnungen in der heutigen Form gibt es seit 1951. Das Gesetz wurde damals geschaffen, um den Wohnungsneubau anzukurbeln.
Nun, der Krieg ist schon lange vorbei, und ich persönlich bin der Meinung, dass die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen ab sofort abgeschafft gehört.
Mir ist nicht ersichtlich, wie die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen den Wohnungsneubau fördern soll. Aber ich sehe unnötig viele soziale Probleme dadurch.
Zurück zum eigentlichen Thema: den fürchterlichen Mangel an freien Mietwohnungen in Potsdam.
Aus diesem Umstand resultieren alle weiteren Probleme.
Wir staunen: Ein knappes Gut wird teuer.
Das hat nichts mit gierigen Vermietern zu tun. Sie handeln einfach vernünftig. Denn sie sind keine Altruisten, zumindest nicht, wenn es sich um Wohnungsunternehmen handelt. So sind die Gesetze des Marktes. Ich habe Geld und will und muß mein Geld vermehren. Der eine baut Panzer, der andere Wohnungen. Der eine betreibt ein Krankenhaus, der andere betreibt ein Wohnungsunternehmen. Und wenn es sich um eine Aktiengesellschaft handelt, werden die Aktionäre der Geschäftsführung schon in die Seite treten, wenn zu wenig Gewinn entsteht.
Wem das nicht gefällt und das abschaffen will, muss den Kapitalismus abschaffen. So einfach ist das. Ich übrigens nicht, denn ich kenne kein besseres System. Zitat: „Kapitalismus ist das am wenigsten schlimme System.“
Wollen wir wirklich hier die DDR zurück? Ja, die Mieten waren gering. Aber weil der Markt nicht durch Geld geregelt wurde, wurde er durch „Beziehungen“ geregelt. Toll…
Ich habe recherchiert (ich gebe es zu, mit KI): Keine europäische Hauptstadt hat die Wohnungsnot bzw. die Steigerung der Mietpreise im Griff.
Und überall ist es das gleiche: Altmieter verbleiben auch nach dem Auszug der Kinder in ihren jetzt zu großen Wohnungen, da eine neue kleinere Wohnung viel teurer als die alte wäre.
Verschärft wird die Situation durch falsche Anreize beim Bürgergeld. Aus dem Hut kann ich mehrere Beispiele nennen, wo Empfänger von Bürgergeld formal getrennt sind, dadurch nicht in EINER Bedarfsgemeinschaft wohnen, dadurch mehr Bürgergeld erhalten.
Noch befremdlicher wird die Sache, wenn die leer stehende Wohnung untervermietet wird. Dann bezahlt das Jobcenter die Wohnung und die Untermiete ist reiner Profit.
Auch dafür kenne ich Beispiele.
Wir, die wir hier in diesem Kulturkreis geboren wurden, hätten vielleicht ein schlechtes Gewissen. Leute aus anderen Kulturkreisen gucken nicht mit großen Augen an: „Aber der Staat betrügt mich doch auch! Da machen das doch alle Leute!“
Was ist zu tun?
Abschaffung der falschen Anreize, die dazu führen, daß mehr Wohnraum als nötig belegt wird.
Bauen, bauen, bauen. Damit das schneller geht, Abschaffung von Bauvorschriften. Aktuell hätte ich in einem einfachen Fall 30 Bauvorschriften zu beachten und in einem nicht einfachen Fall 200.
Und wenn Potsdam weiter wächst wie bisher, geht es ja logischerweise in die Breite. Irgendwann ist es dann nicht mehr lukrativ hier zu wohnen. Dann endet die Wohnungsnot automatisch. Bis dahin gilt es durchzuhalten.